Umwelthormone: wie schützen wir unsere Kinder?

Kleine Mädchen, die im Alter von 8 Jahren oder noch früher in die Pubertät kommen, Genitalmissbildungen, Fortpflanzungsstörungen, Krebs, Diabetes, Fettleibigkeit und sogar Rückgang des durchschnittlichen IQ…. Das ist die schöne Aufzählung dessen, was auf endokrine Disruptoren oder Umwelthormone genannt zurückzuführen wäre. Vergiften wir unsere Kinder, ohne es zu wissen? Was ist tatsächlich die Lage?

Zurück in den Biologie Unterricht

Die endokrinen Drüsen befinden sich unter anderem in der Hypophyse, der Schilddrüse, den Eierstöcken und den Hoden. Sie produzieren Hormone, die biochemische Nachrichten an die Organe senden und deren Wirken regulieren. Wenn das endokrine System gestört ist, beeinflusst das den ganzen Körper und kann schädlich sein. Die WHO beschreibt einen endokrinen Disruptor als „eine exogene Substanz oder Mischung, die die Funktionen des endokrinen Systems verändert und dadurch schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit eines intakten Organismus hat“. Der endokrine Disruptor kann auf drei verschiedene Arten wirken:

  • durch Nachahmung der Wirkung eines natürlichen Hormons;
  • durch Bindung an natürliche Hormonrezeptoren;
  • durch Beeinträchtigung oder Blockade der Produktion bzw. Regulierung von Hormonen oder Rezeptoren, wodurch die Konzentration der im Körper vorhandenen Hormone verändert wird.

​Wo findet man sie?

Aus den verschiedenen Studien geht hervor, dass wir alle mehr oder weniger durch diese endokrinen Disruptoren kontaminiert sind. Und wenn wir alle betroffen sind, sind unsere Kinder und Babys natürlich die ersten, die wegen ihrer Fragilität betroffen sind.

Das Magazin „60 Millions de consommateurs“ (zu Deutsch 60 Millionen Verbraucher) enthüllt, dass sie in einer Haarprobe von Kindern nicht weniger als 34 endokrine Disruptoren fanden. 34 Disruptoren, die ähnlich wie Hormone wirken und langfristig erhebliche Schäden am Körper unserer Kinder verursachen können.

Wie sind sie dorthin gelangt?

Es ist ganz einfach, sie verstecken sich in unserer unmittelbaren Umgebung:

  • Hygieneprodukte: Windeln, Tücher oder Tampons, in denen in letzter Zeit Spuren von Round Up gefunden wurden (ja, der umstrittene Unkrautvernichter!).
  • Kosmetik: Lacke, Parfüms, Haarfärbemittel…..
  • Haushaltsreiniger: verschiedene Reinigungsmittel
  • Lebensmittel: durch verschiedene Arten von Konservierungsmitteln oder Mitteln, die industrielle Prozesse erleichtern, oder Lebensmittelverpackungen wie Dosenbeschichtungen und Kunststoffverpackungen.
  • Alltagsgegenstände: Möbel, Küchengeräte, Spielzeug…..

Diese Substanzen sind in winzigen Mengen in unserem Körper vorhanden, und man könnte denken, dass so kleine Mengen keine Auswirkungen haben. Das ist aber leider nicht der Fall.

Einige dieser Disruptoren können durch Eliminierung der Quelle abgebaut werden, bei anderen ist das jedoch schwieriger, sobald sie erst einmal in das endokrine System eingedrungen sind.

Produkten, die gepriesen werden, um unsere Häuser, Teller und Körper zu Tempeln der Sauberkeit und Gesundheit zu machen, sind eigentlich Vergiftungsmittel.

Wie können wir sie vermeiden?

Wissenschaftler empfehlen, den Kontakt mit sechs Hauptsubstanzen zu reduzieren und wenn möglich ganz zu vermeiden

  • Bisphenole: Das findet man in Kunststoffflaschen oder auf Kassenbons.
  • perfluorierte Produkte: Beschichtung von Töpfen und Pfannen, Anti-Fleckmaterialien
  • Phthalate: Weichmacher in vielen Alltagsgegenständen
  • Triclosan: Kosmetik, Küchengeräte oder Spielzeug
  • Pestizide: in und um die landwirtschaftliche Betriebe und damit in unsere Lebensmittel
  • Flammschutzmittel: Sofa, Matratze…..

Können wir uns schützen?

In der Regel können wir das Vorsorgeprinzip anwenden und Plastik so weit wie möglich aus unseren Häusern verbannen. Die Umwelt wird nur besser dran sein und wir auch!

Für all diese Alltagsgegenstände, die uns umgeben und die wir benutzen, können wir versuchen, eine grüne Alternative zu finden, wie z.B. Flaschen, Behälter oder Konserven aus Glas, Edelstahl-Wasserflaschen anstelle von Plastikflaschen, Eisenguss- oder Edelstahlpfannen anstelle von beschichteten, ein Stück Seife anstelle einer Flasche Duschgel, Holzspielzeug, etc.

Für Lebensmittel ist es natürlich vorzuziehen, frische Produkte zu kochen, idealerweise Bio, um Pestizide zu vermeiden. Fertiggerichte sollten, soweit es geht vermieden werden!

Bei Kinderbekleidung und Stofftieren sollte darauf geachtet werden, dass sie vor dem Tragen oder Verwenden gewaschen werden .

Und bei Kosmetik- und Reinigungsprodukten ist es notwendig, so viele natürliche Produkte wie möglich zu verwenden und täglich zu Hause zu lüften, um Staub zu entfernen.

Labels, die Klarheit verschaffen

Einige Labels können uns helfen, einen besseren Überblick zu behalten, wie das GOTS-Label für Kleidung, das CE-Label für Spielzeug und Plüschtiere und das ECOCERT-Label für Kosmetika. Alle drei garantieren die Qualität der Produkte und ihre gesundheitliche Unbedenklichkeit.

Die Bedeutung von Jod für schwangere Frauen

Desweiteren unterstreicht der Dokumentarfilm von Arte „Umwelthormone, verlieren wir den Verstand“, die Bedeutung von Jod für schwangere Frauen. Dies würde es der Schilddrüse ermöglichen, besser zu funktionieren und somit einen gewissen Schutz vor bestimmten endokrinen Disruptoren zu bieten.

Wenn Sie schwanger sind oder sein möchten, verschreibt Ihnen Ihr Arzt sicher Kapseln mit Vitaminen, Folsäure (auch sehr wichtig für die Entwicklung des Fötus) und Jod. Und ein kleiner Tipp: Vergessen Sie nicht jodiertes Salz zum Kochen zu nutzen. Auf diese Weise wird niemand in der Familie an Jodmangel leiden.

Nicht alle diese Maßnahmen sind zwangsläufig in der Familie einfach umzusetzen. Es bedeutet, mehr Zeit für alltägliche Aufgaben wie z.B. Kochen aufzubringen und sicher ist das am Anfang ein zusätzlicher Punkt auf dem Mental Load. Aber sobald man den Dreh raushat, ist es nicht mehr so kompliziert. Es geht darum, Gewohnheiten und Organisation zu ändern! Es lohnt sich für die Gesundheit unserer Kinder!

Um mehr zu erfahren, können Sie sich, den sehr guten Dokumentarfilm von Arte Umwelthormone, verlieren wir den Verstand ansehen. Die englischsparchige Plattform Six Classes ist auch spannend und verfügt über eine Menge Infos!

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