„Attachment Parenting“, Familienbett, breifreie Nahrung… : Die neuen Formen der Unterwerfung von Frauen

Sobald wir schwanger sind, sehen wir uns mit allen möglichen Erziehungstheorien und -methoden konfrontiert, die je nach Mode und Einfluss variieren, aber alle einen gemeinsamen Wunsch verfolgen: das Wohl des Kindes. Und es ist ganz klar, welche Frau oder welche Eltern würde sich dafür nicht bewusst entscheiden?

Wenn Du nicht stillen möchtest, weil es Dir einfach nicht gefällt, wagst Du hier das gar nicht laut zu äußern.

Stillen oder.... Stillen?

Alles beginnt mit dem Stillen, denn Muttermilch ist das Beste für das Kind. Hier in Deutschland wirst Du nicht erst gefragt, ob Du stillen möchtest. Das Stillen ist eine Selbstverständlichkeit. Auf den Babynahrungspackungen steht sogar: "Wichtiger Hinweis: Stillen ist die beste Ernährung für Ihr Baby, also sollte so lange wie möglich gestillt werden". (Füge das gerne zum Konto "Schuldgefühl" hinzu, wenn Du nicht zu den stillenden Müttern gehörst!) Wenn Du nicht stillen möchtest, weil es Dir einfach nicht gefällt, wagst Du hier das gar nicht laut zu äußern. Und natürlich wird immer „on demand“ gestillt – bei Bedarf stündlich und mindestens bis zum Alter von sechs Monaten oder sogar zwei Jahren.

Attachment Parenting

Dann kommt die Theorie des Attachment Parenting, die sich nicht nur auf den regelmäßigen Haut-zu-Haut Kontakt beschränkt. Es geht darum, ständig mit deinem Baby zusammen zu sein, es direkt auf deiner Haut durch die Gegend zu tragen, mit ihm im selben Bett zu schlafen, und ihm kein Trauma zu bereiten, indem Du es auch nur für ein paar Stunden abgeben könntest. Das soll dem Kind Selbstvertrauen vermitteln bis es sich selbst von den Eltern löst.

Wir sind uns einig, dass wir es anfangs lieben, mit unseren Kleinen zu kuscheln und mit ihnen auf der Brust ein Nickerchen zu machen. Aber es kommt eine Zeit, in der wir etwas Luft brauchen, oder etwa nicht?

"Das Familienbett bedeutet die Todesstrafe für dein Intim- und Sexualleben."

Familienbett

Hand in Hand mit dem Attachment Parenting kommt das Familienbett, eine Art Schlaflandschaft für die ganze Familie. Eine Variante empfiehlt, dass jeder Elternteil mit einem Kind in einem anderen Zimmer schläft oder besser gesagt neben dem Kind auf einer Luftmatratze pennt. Das Familienbett ist nicht nur problematisch für die psychologische und ödipale Entwicklung des Kindes, sondern bedeutet das Ende Deiner normalen Schlafzyklen für mehrere Jahre und die Todesstrafe für dein Intim- und Sexualleben... und damit oft von Deiner Paarbeziehung. Denn wenn man Kinder und einen Job hat, ist die räumliche Nähe abends manchmal das einzig schlüssige Argument... So ziehe ich vor allen meinen Hut, die behaupten, ihre Sexualität wiederzuentdecken, gerade weil sie nicht mehr das Ehebett haben.

Breifrei (Baby-led-weaning)

Wenn Du bis dahin durchgehalten hast, kommt die Zeit der Veränderung, in der das Baby nicht mehr nur mit Muttermilch gefüttert wird, sondern auch feste und abwechslungsreiche Nahrungsmittel kennenlernen soll. Der neue Trend geht dabei in Richtung "breifrei" (ohne Pürees). Das heißt, anstatt Karotten-, Pastinaken-, Kartoffeln-, Zucchinipürees oder ähnliches zu kochen, setzt sich das Kind an den Familientisch (oder nein, bloß nicht! Es ist sehr schlecht, das Kind hinzusetzen, bevor es selbst dazu kommt!)... das Kind legt (?) sich also dann an den Familientisch - im römischen Orgie-Modus - und probiert hier und da, worauf es Lust hat. Das hat folgende Konsequenzen:

  • ​dass Du und Dein Schatz Mittags und Abends mit den Hühnern esst.
  • ​dass Ihr "kindgerecht" esst, weil Du dem Baby kein Doraden Ceviche mit Mango oder Entrecôte auftischen wirst.
  • Da das Kind nach dem bisschen Knabbern nicht gesättigt ist, kannst du es jetzt wieder stillen. Aber da du sowieso gerne stillst, ist das ja kein Problem, oder?

Natural Infant Hygiene (NIH)

Das hätte ich fast vergessen: Natürliche Säuglingshygiene (Natural Infant Hygiene) oder wie Du zu spüren lernst, wann Dein Baby sein Geschäft machen wird. Dann musst Du prompt reagieren, einen Eimer holen und das Baby darüber halten, bis es fertig ist. Das ist nicht nur eine fantastische Methode, um Deine Oberarmmuskulatur zu stärken, sondern um Windeln zu vermeiden. Aber bis du das erreicht hast, ist deine Mobilität ziemlich eingeschränkt, also bleibst du besser zu Hause. Sonst kannst Du es allerdings immer noch mit Öko-Stoffwindeln probieren, wenn Du gerne Wäsche machst.

Aber jetzt die große Frage: Sind all diese Opfer für die Entwicklung deines Kindes überhaupt von Vorteil? Sehr fragwürdig, denn es dreht sich alles um das Kind und ihm wird jeder Wunsch von den Lippen abgelesen. Das heißt, das Kind erfährt keine Frustration, was illusorisch ist und sogar schädlich sein kann. Man tut seinen Kindern damit also keinen Gefallen, denn es wird sozial unangepasst und unfähig, Schwierigkeiten allein zu bewältigen.

Und Du, wann atmest Du? Wann lebst Du? Wann arbeitest Du in dieser Geschichte? Es ist sehr wahrscheinlich, dass Du durch die ständige Priorisierung Deines Kindes Dich selbst einfach vergisst. Und was ist, wenn Du ein zweites oder drittes Kind bekommst?

Worum geht es denn im Feminismus, das Recht zwischen Mann und Kind als Haustyrann auszusuchen?

Wir sind eine Gesellschaft – zumindest nach dem, was ich bei meinen deutschen Schwestern beobachten kann – die völlig dichotomisch ist: Frauen sind stark, feministisch und fordern ihre Unabhängigkeit (und das ist sehr gut!), solange sie Single oder in einer Beziehung sind. Aber wenn sie sich dafür entscheiden, Mütter zu werden (und wir verstehen sehr gut, dass sie lieber zweimal darüber nachdenken, wenn man die Ausführungen von oben betrachtet…), dann ist der Trend völlig umgekehrt: Mütter fallen unter die Haube ihrer Kinder, hören auf, zu arbeiten und rennen vom Babyschwimmen zu PeKip-Kursen. Sie bekämpfen den Patriarchat, um sich dem neuen „Kindriarchat“ zu ergeben. Worum geht es denn im Feminismus, das Recht zwischen Mann und Kind als Haustyrann auszusuchen? Sollte die Emanzipation der Frauen nicht etwas anders aussehen?

1 Comment

  • Avatar
    Daniela 24. Mai 2019 (14:24)

    Auch da bin ich nicht typisch🤔🤔🤔mhh deutsch und eher französisch. Das Familienbett kam für uns nie in Frage…Ja und Attachment Parenting, sehe ich so…Auch Erwachsene haben Bedürfnisse und es ist für Kinder wichtig das von klein auf zu lernen, sonst vernachlässigen sie später ihre oder werden zu Tyrannen. Ja und Grenzen setzen in Liebe ist wichtig. Schon heute zeigt sich, dass es sich lohnt. Restaurantbesuche, Museen, Theater funktioniert gut, da sie sich zu benehmen wissen…Auch Kurzreisen etc…